Der vom Provider als superschnell vermarktete DSL-Anschluss ist endlich geschaltet. Doch Downloads, Videos und E-Mails kriechen weiterhin im Schneckentempo auf den heimischen PC. Der folgende Artikel hilft bei der Suche nach versteckten Handbremsen zwischen Provider und Internetbrowser.
Datenpakete im Eiltempo
„Ultimativen DSL Speed erleben“ oder „Ultraschnell surfen“ – so lauten die Werbeversprechen der Anbieter von DSL-Anschlüssen. Wenn im Internetbrowser wenig davon zu sehen ist, hakt es irgendwo auf der langen Strecke der Datenpakete vom Anbieter auf den eigenen Rechner. Die Ursachen dafür können vielfältiger Natur sein. Deshalb hilft ein strukturiertes Vorgehen bei der Fehlersuche, denn oft ist es gar nicht nötig, die Servicehotline des Internetanbieters zu bemühen.
Egal ob Downloads, Musik, Videos oder Spiele: Alle Daten fließen im Internet in Form kleiner Pakete von einem Computer zum anderen. Ziel ist meistens der heimische PC, Quelle ein Server. Genau wie der eigene Rechner sind solche Server sowohl was Rechenleistung anbelangt als auch bezüglich ihrer Internetverbindung nicht unendlich schnell und können nur eine begrenzte Anzahl Nutzer gleichzeitig mit voller Geschwindigkeit versorgen.
Gewissheit verschaffen
Vor der Vermutung, der eigene Internetzugang sei langsamer als versprochen liegt daher ein Geschwindigkeitstest. Für diesen Zweck gibt es spezielle Angebote im Internet, die sich leicht mit einer Suchmaschine finden lassen. Wichtig ist, dass man beim Speedtest andere Geschwindigkeitsbremsen ausschließen kann. Deshalb sollte der Test-PC am besten per Netzwerkkabel alleine am Router hängen und kein anderer Nutzer währenddessen über dieselbe Verbindung surfen.
Software-Probleme beheben
Wenn auch dort die DSL-Geschwindigkeit weit unter den Angaben des Providers bleibt, lohnt sich zunächst ein Blick auf die installierte Software des eigenen PCs. Ist dieser schon recht betagt, können ihn verschiedene Anwendungen bei der Verarbeitung der Internet-Pakete so stark belasten, dass es zu Performance-Einbußen kommt. Dazu gehören vor allem Software-Firewalls, die jedes Paket prüfen, bevor sie es zur eigentlichen Zielanwendung durchlassen. Sämtliche Windows-Versionen ab Windows XP mit Service Pack 2 haben ohnehin eine integrierte Firewall, die für die meisten Fälle ausreicht. Die einzige Einschränkung liegt darin, dass erst die Firewalls von Windows Vista und Windows 7 auch für ausgehende Pakete anwendungsbasierte Filterregeln zulassen. Vor allem Nutzer der beiden moderneren Windows-Versionen können häufig getrost auf eine zusätzliche Software-Firewall verzichten – zumal sich die meisten PCs inzwischen hinter einem Router mit integrierter Firewall befinden. Wer nicht allzu paranoid ist, kann sich mit der Kombination aus Router- und Windows-Firewall in den meisten Fällen ausreichend geschützt fühlen. Ein Virenscanner sollte trotzdem nicht fehlen.
Betriebssystem optimieren
Im Internet existieren tausende Seiten, die Optimierungstips für DSL-Zugänge geben, bei denen verschiedene Werte in der Windows- Registrierungsdatenbank geändert werden sollen. Allen voran sind dabei die Parameter „MTU“ und „RWIN“ zu nennen, welche sich direkt darauf auswirken, wie Windows Netzwerkpakete zusammenschnürrt oder auf ihre Richtigkeit prüft. Eine Änderung der Parameter kann unter Windows XP zu Performancesteigerungen führen, aber auch jede Menge Problemen verursachen. In den meisten Fällen sind die Standardwerte absolut ausreichend. Windows Vista und Windows 7 optimieren die Werte ohnehin automatisch.
Von „bis zu“ in die Realität verschlagen
Ist softwareseitig alles in Ordnung, folgt die Fehlersuche im heimischen Gerätepark zwischen der Telefondose und dem PC. Die meisten Provider bei ADSL und alle bei ADSL2+ und VDSL setzen die Leitungsgeschwindigkeit nicht mehr auf einen festen Wert. Stattdessen entscheiden DSL-Modem und dessen Gegenstück in der Vermittlungsstelle (DSLAM) bis maximal zur vertraglich festgelegten Höchstgeschwindigkeit, wie viel die Leitung verträgt. Dieses Verfahren nennt man im Fachjargon „Rate-Adaptive“ und es ist zum Teil die Ursache der irreführenden Geschwindigkeitsangaben in den Werbeflyern der Provider. Dort ist in den meisten Fällen nicht von einer fest zugesicherten Bandbreite, sondern von „bis zu“ die Rede. Die Angebote DSL 16.000, VDSL 25.000 oder VDSL 50.000 bedeuten nicht, dass diese Geschwindigkeiten an jedem Anschluss voll zur Verfügung stehen. Diese Bandbreiten wären lediglich bei perfekter und möglichst kurzer Leitung zur Vermittlungsstelle möglich.
Fehlersuche im Gerätepark starten
Auf die Verkabelung zwischen Telefondose und Vermittlungsstelle hat der Nutzer keinen Einfluss. Was jedoch innerhalb der eigenen vier Wände liegt, bietet durchaus Potential für Optimierungen. Vor allem, wenn im Haus mehrere Telefondosen vorhanden sind, sollte die kleine Frequenzweiche (Splitter) direkt hinter der allerersten Telefondose hängen. Zusätzlich muss der Splitter für die vorhandene Art des DSL-Anschlusses geeignet sein. Gerade beim Wechsel von ADSL auf ADSL2+ oder VDSL ist es äußerst wichtig, die alte Frequenzweiche durch eine neue, im Normalfall vom Provider mitgelieferte zu ersetzen. Erst hinter dem Splitter folgen dann DSL-Modem an dem einen und sämtliche Telefon- und Faxgeräte am anderen Anschluss. Ansonsten kann es passieren, dass sich die verschiedenen Geräte in die Quere kommen.
Auch das Modem oder der Router mit integriertem Modem müssen für die höhere Geschwindigkeit geeignet sein. Ältere Geräte funktionieren zwar häufig wegen der Abwärtskompatibilität der Vermittlungsstellen weiterhin, aber eben nur mit geringerer Bandbreite. Bei einer Kombination aus Modem und Router müssen sowohl der Modem-Anschluss am Router als auch der Prozessor des Routers mit der höheren Geschwindigkeit zurecht kommen. Ein 10-MBit/s-Modem-Anschluss ist bereits mit einem ADSL2+-Modem überfordert. Ältere Router wie der von Firmware-Moddern geliebte WRT54GL schaffen bei VDSL 50 wegen eines vergleichsweise niedrig getakteten Prozessors nicht die vollen 50 MBit/s – und je mehr prozessorlastige Funktionen eine der alternativen Firmwares mit sich bringt, desto stärker wirkt sich dieses Phänomen aus. Hier hilft nur ein anderes Gerät oder übertakten des Prozessors durch eine alternative Firmware bei ausreichender Kühlung.
Für Reserven im Netzwerk sorgen
Bei kabelgebundenen Netzwerken müssen sowohl die Kabel als auch Anschlussdosen und Switches schnell genug sein, damit kein Datenstau entsteht. Wenn noch veraltete Hubs im Einsatz sind, teilen sich sämtliche angeschlossenen Geräte die Zur Verfügung stehende Maximalbandbreite. Wer eine Neuverkabelung plant, sollte Kabel, Dosen und Stecker mindestens im Cat-6-Standard verbauen. Mit einem Gigabit-Switch und entsprechenden Netzwerkkarten hat man dann auch bei Internetverbindungen mit 50-MBit/s oder mehr genug Reserven – selbst wenn gerade Daten von der Festplatte des Online-Rechners zu einem anderen im lokalen Netzwerk fließen. Bei den Netzwerkkarten ist es sinnvoll, einen aktuellen Treiber einzuspielen und auf die korrekten Einstellungen im Gerätemanager zu achten – auch eine Gigabit-LAN-Karte schafft nur 10MBit/s, wenn sie falsch eingestellt ist. In der Regel reicht die Einstellung „automatisch“, denn dann handeln Switch und Netzwerkkarte die maximal mögliche Geschwindigkeit untereinander aus.
Datenstau im WLAN beheben
Auch ein kabelloses Netzwerk kann als Performancebremse wirken. Die Geschwindigkeitsangaben der verschiedenen WLAN-Standards sind immer als Brutto-Datenraten zu verstehen. Netto bleiben davon im Optimalfall 40 – 50 Prozent übrig. Eine WLAN-Karte des 54 MBit/s-Standards 802.11g schafft mit entsprechendem Router maximal 20 – 25 MBit/s, die auch noch zwischen allen Endgeräten aufgeteilt werden müssen. Surft die vierköpfige Familie mit mehreren Rechnern auf einmal übers WLAN, bleiben pro Nutzer im schlechtesten Fall nur knapp 5 MBit/s übrig. Noch schlimmer: Sobald Nachbarn ihre WLANs auf dem gleichen Kanal wie das eigene Netz aufgespannt haben, blockieren sich die Geräte gegenseitig. Das gilt nicht nur am üblichen Standort des Desktop-PCs oder Notebooks, sondern auch für den Aufstellort des Routers. Es ist empfehlenswert, mindestens an beiden Standorten eine Kanalliste zu erstellen und danach einen Kanal im Router zu wählen, der noch nicht belegt ist.
Bricht die Performance Monate später ein weiteres Mal ein, hat vielleicht ein neuer Nachbar die gleiche Frequenz gewählt und ein erneuter Kanalwechsel wird erforderlich. Bei totaler WLAN-Überflutung hilft nur noch ein Router mit Unterstützung des weniger stark frequentierten 5 GHz-Frequenzbereichs – am besten gleich mit Unterstützung des aktuellen Standards 802.11n, dessen Brutto-Datenrate bei 300 MBit/s liegt. Selbst mit einem solchen Gerät können Decken und Wände die Datenrate stark reduzieren. Besonders störend ist neben Metallteilen auch das Wasser in Fußbodenheizungen. In beiden Fällen hilft die Verlagerung des Routers auf die Etage, in der das WLAN auch tatsächlich genutzt wird.
Geschwindigkeitsbremse IPTV kennen
Nutzer von IPTV-Angeboten wie „T-Home Entertain“ erhalten an den angeschlossen Computern ebenfalls nicht die volle Geschwindigkeit, die am mitgelieferten Router anliegt. Stattdessen reserviert der Router permanent einen Teil der Bandbreite für die Fernsehpakete. Im Fachjargon heißt die Priorisierung bestimmter Anwendungen „Quality Of Service“ (QOS). Ohne diese Reservierung würde das Bild am Fernseher stehen bleiben, wenn jemand am PC die Internetverbindung nutzt. Deshalb ist es auch eine schlechte Idee, den vom Provider gelieferten Router durch ein alternatives Gerät ohne spezielle IPTV-Unterstützung zu ersetzen – außer man möchte in Zukunft auf IPTV verzichten und die volle Bandbreite am PC zur Verfügung haben.
Letzte Hoffnung: Beim Internetprovider anrufen
Wenn alle Maßnahmen nicht helfen, bleibt nur noch der Anruf beim Provider. In einigen Fällen ist die Qualität der Leitung zur Vermittlungsstelle wesentlich schlechter als in der Datenbank des Internetanbieters. Relevant ist vor allem der Dämpfungswert, der sich in den Weboberflächen vieler Router auslesen lässt. Im Internet finden sich verschiedene Seiten mit inoffiziellen Dämpfungsgrenzen verschiedener Provider. Wenn nicht gerade ein behebbarer Schaden an der Leitung vorliegt, wird man wenig Chance auf eine schnellere Verbindung haben. Höchstens in der Vermittlungsstelle kann es sein, dass man trotz Upgrade immer noch an einem langsamen ADSL1-Anschluss hängt, obwohl sich direkt daneben ein schnellerer DSLAM befindet. Sind dessen Anschlüsse allerdings vollständig belegt, hilft nur der Wechsel zu einem anderen Provider mit eigener Hardware in der Vermittlungsstelle – nicht aber ein Wechsel zu einem Reseller, der ebenfalls die Hardware des bisherigen Providers nutzt.
Fazit:
Es gibt viele Gründe für einen ausgebremsten Internetzugang. Neben den üblichen Verdächtigen Firewall, Betriebssystem, Hardware und Verkabelung können die Ursachen auch jenseits der eigenen vier Wände liegen. Dann hilft nur noch die Kontaktaufnahme mit der Serviceabteilung des Providers. Wenn alles nichts hilft, bleibt nur noch ein Providerwechsel. Dieser hilft aber nur, wenn der neue Anbieter eigene Hardware in der Vermittlungsstelle betreibt oder auf eine andere Technologie setzt – beispielsweise auf das TV-Kabel, wenn man vorher DSL oder umgekehrt.
Ein Gastbeitrag von teltarif.de, dem größten deutschsprachigen Telekommunikations-Magazin.